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Projekttage mit straffällig gewordenen Jugendlichen im Rahmen mehrerer sozialer Trainingskurse

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Bericht über die Projekttage mit straffällig gewordenen Jugendlichen

Im Rahmen eines Projekts des IB (Internationaler Bund) fanden im Shu-Ha-Ri Trainingszentrum Karate-Seminare für straffällig gewordene Jugendliche statt. Der IB ist als freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit in Deutschland unter anderem engagiert in der Betreuung junger Menschen in schwierigen Lebenslagen. Das von uns unterstützte Projekt hatte zum Ziel, den Jugendlichen neue Perspektiven in Bezug auf sich selbst und ihre Umwelt aufzuzeigen, um sie so vor einem erneuten Rückfall in die Kriminalität zu bewahren. Innerhalb solcher Projekte spielen sportliche Angebote und zunehmend auch die Beschäftigung mit dem traditionellen Karate eine Rolle.

Die spezifischen Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung, die sich aus der Beschäftigung mit dem traditionellen Karate ergeben sind unteren anderem: Erlangung innerer mentaler Stärke, Erhöhung der physischen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, Körperkontrolle und Körpergefühl, Begegnung und Auseinandersetzung mit sich selbst, Einübung sozialer bzw. persönlicher Kompetenzen wie Respekt, Höfflichkeit, Achtung, Rücksichtnahme und Disziplin. Diese Punkte lassen sich jedoch eher auf einem langfristigen Weg durch regelmäßiges Üben erreichen, weshalb bei den beiden bisher realisierten Workshops zunächst andere Aspekte im Vordergrund standen.

Trainiert wurden Elemente der Erwärmung, der Körperertüchtigung und des traditionellen Krafttrainings (Hojo Undo), die in der entsprechenden Intensität zu körperlichen Grenzerfahrungen führen können. Hinzu kamen Elemente der Selbstverteidigung, die Arbeit an Schlag- und Trittkissen, die Erläuterung physiologischer Grundfunktionen des menschlichen Körpers, Reinigung der Unterrichtsräume, sowie persönliche Gespräche. Geleitet wurden beide Kurse von Sensei Gerd Richter.

Die wohl wichtigste Erfahrung der Kursteilnehmer bestand darin, dass die Auseinandersetzung mit sich selbst, das Überschreiten angenommener bzw. selbst verordneter Grenzen möglich und vor allem befriedigend ist. Diese Art der verdienten und erarbeiteten Befriedigung wirkt nachhaltiger und positiver als zum Beispiel jede Form des künstlichen Rausches, weil sie verbunden ist mit dem Gefühl des Stolzes auf die eigene Leistung. Stolz sein können und dürfen auf die eigene Leistung, ebenso wie das Vertrauen darauf, dass man mit Willen und Einsatz Dinge erreichen kann, die man im ersten Augenblick für unmöglich gehalten hat, sind entscheidende Erfahrungen innerhalb einer gelingenden Persönlichkeitsentwicklung.

Darüber hinaus waren weitere Aspekte von Bedeutung:

(a) Die Begegnung mit (in diesem Fall sportlich und sozial) erfolgreichen, aufgeschlossenen, freundlichen und nicht vorverurteilenden Menschen innerhalb einer intakten sozialen Umgebung (Dojo) kann den Jugendlichen auf ihrem Weg in eine deliktfreie Zukunft behilflich sein, weil eine solche Zukunft zur Voraussetzung hat, dass Gesellschaft überhaupt als positive Option erfahren wird. Zu erhoffen wäre die Einsicht, dass positive Erfahrungen (i.w.S. gelingende und glückende Lebensentwürfe) gerade innerhalb funktionierender Gemeinschaften möglich sind, in denen gewisse Regeln nicht störend oder einschränkend wirken, weil solche Regeln überhaupt erst funktionierende Gemeinschaften konstituieren.

(b) Da die Jugendlichen nicht freiwillig, sondern durch richterliche Anweisung an den Kursen teilzunehmen hatten, war auch die Weisungsfunktion des Kursleiters definiert. Darin, dass die Jugendlichen in eine Situation gebracht wurden, in der sie eine Autorität akzeptieren mussten, ohne dass diese ihnen als bestrafende Instanz gegenüber trat, lag die Chance, dass sie positive Erfahrungen im Umgang mit Autorität sammeln konnten. Vorraussetzung dafür ist immer, dass der Kursleiter konsequent das körperliche Engagement einfordert, während er freundlich, motivierend und lobend auf die Jugendlichen einwirkt und gleichzeitig als Persönlichkeit zu überzeugen weiß, der die Jugendlichen in dieser Situation vertrauen und deshalb auch folgen wollen. Die Teilnehmer konnten insofern erfahren, dass es sinnvoll und befriedigend sein kann, auf einen anderen Menschen zu hören, wenn dieser ihnen fair und respektvoll gegenüber tritt.

(c) An Schlag- und Trittkissen konnten die Jugendlichen lernen, dass das „Austeilen“ im traditionellen Karate vor allem als eine Übung verstanden wird, die eine hohe Herausforderung sich selbst gegenüber darstellt. Ein „guter Zuki“ (Fausstoß) erfordert jahreslanges intensives Üben. Dieses Üben ist ein Üben an sich und mit sich selbst, eine Herausforderung, die den Aspekt des „Sich-beweisen-wollens“ in der Auseinandersetzung mit anderen völlig in den Hintergrund treten lässt. Zumindest im Ansatz konnte den Jugendlichen hier bewusst werden, dass dem traditionellen Karate gerade auch im Üben von Angriffstechniken eine zutiefst pazifistische Idee zu Grunde liegt.

(d) Die Selbstverteidigungsübungen ließen die Jugendlichen zunächst erkennen, wie schwierig es ist, den eigenen Körper zu koordinieren. Wesentlicher aber war die Erfahrung der Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers, die eine besondere Sensibilität, Behutsamkeit und Verantwortung gegenüber der Gesundheit des Übungspartners erforderlich macht. Im Gegenzug war es dem passiven Partner möglich, auf Kontrolle zu verzichten und Vertrauen in das Tun des Handelnden zu entwickeln.

(e) Am Ende der dreistündigen Trainingseinheit haben die Jugendlichen das Dojo gewischt. Das Saubermachen des Dojos gehört für alle Schüler der Karateschule zum Training dazu, weil es hilft, das Gefühl der Mitverantwortlichkeit für das Dojo, den Ort des je eigenen Weges, auszubilden.

Nach dem mehrstündigen Kurs verließen die Jugendlichen zwar erschöpft, aber lächelnd und erhobenen Hauptes das Trainingszentrum. Wir sind gespannt auf die Fortsetzung der Arbeit und freuen uns auf weitere, auch für uns bereichernde Einsichten und Erfahrungen.

John Palatini


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 Kommentare


schrieb am 15.11.2007:

hallo,erst einmal möchte ich euch echt loben das ihr straftätige nicht gleich abschreibt und sagt das bringt eh nichts mit den zu arbeiten.Es hat auch jeder straftätige eine zweite chanche verdient.super das ihr das auch so seht.ihr zeigt den leuten wegstens wie es anderst sein kann und wie man sich auf einer anderen art abreagieren kann.ich weis wie das ist und mir wurde nie geholfen bis heut noch nicht aber ich habs mir selber beigebracht mich aus der scheise zu holen ich kloppe nicht mehr auf andere ein1Nein!im gegensatz ich gehe dann lieber im Keller und boxe gegen ein sandsack oder renne ein paar runden um bach.macht bitte weiter so und lasst die leute nicht im Stich!


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