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Wie kann man traditionelles Karate in der heutigen, modernen Gesellschaft fördern bzw. bewerben?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sollten wir erst einmal klären was man unter "Tradition" versteht.

Unter Tradition - lateinisch tradere, trans = hinüber und dare = geben auch traditio = Überlieferung - versteht man die Weitergabe von Überzeugungen, Handlungsmustern und Glaubensvorstellungen bzw. das Weitergegebene selbst, wie z.B. Sitten und Bräuche einer Kultur. Dies kann mündlich, schriftlich, durch Erziehung oder spielerisches Nachahmen erfolgen. Tradition ist also das Erbe, was von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.
Ich höre heute häufig Redeweisen, die wie folgt beginnen: "Es ist Tradition, dass..." oder "Das ist ein traditionelles ...". Worauf beziehen sich diese Aussagen? Dass es schon immer so war? Dass es sehr alt ist? Ich glaube, dass mit dem Begriff Tradition zu leicht umgegangen wird - vor allem in den Kampfkünsten. Gibt es wirklich so viele Lehrer, die wahrhaftig an der Weitergabe ihrer lehrenden Kampfkunst teilgenommen haben? Wenn ja, sind sie selber auch bereit, das ihnen überlieferte verantwortungsbewusst weiter zu geben oder werden Eingeständnisse mit Blick auf die Bedingungen der heutigen modernen Gesellschaft gemacht? Sicher ist, dass es einen Unterschied zwischen traditionellem Karate und Sportkarate gibt. Oft wird mit Sport Wettkampf und Leistung assoziiert. Anders beim traditionellen Karate. Hier geht es nicht um Pokale und Siege, sondern um Charakterbildung, den unbedingten Willen zur eigenen Perfektion in der Technik und um Selbstkontrolle. Es ist nicht entscheidend, ob man über andere siegt, sondern allein das Bewusstsein des Übenden, auf dem richtigen Weg zu sein. Dafür muss der Schüler vor allem darauf vertrauen, dass er teil hat an einer über Generationen überlieferten, authentischen Tradition, unmittelbar vom Lehrer zum Schüler.
Natürlich gilt es zu bedenken, dass die Kampfkünste einstmals ausschließlich dem Zweck der Selbstverteidigung dienten, dem Ziel zu überleben. Es ist heute undenkbar, auf das Ziel hin, jemanden großen gesundheitlichen Schaden zuzufügen oder ihn sogar zu töten traditionelles Karate zu unterrichten, beziehungsweise zu trainieren. Wenn das Ziel des Karatetrainings also nicht zuerst in der Anwendung und auch nicht im Wettkampf liegen soll, muss man sich fragen, wie man traditionelles Karate in unserer modernen Gesellschaft dann vermitteln soll.
Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn man mehr darin sieht als das Erlernen und Ausprobieren solcher Techniken, man einen großen Schritt zu einem besseren Menschen macht. Wobei wir wieder, wie oben bereits erwähnt, bei der geistigen Entwicklung eines jeden selbst angekommen sind. Und genau darin liegt unsere Chance. Da ich sehr viele Kinder und Jugendliche unterrichte, möchte ich darauf etwas näher eingehen.
Ich kann verstehen, dass viele von ihnen den Wunsch haben, sich auszuprobieren. Wissen wollen, ob ihre Reflexe, ihr Mut und ihre bisher erlernten Techniken ausreichen, um in einem Kampf bestehen zu können. Und natürlich streben sie nach Pokalen und Medaillen. Für Tradition interessieren sich dabei die wenigsten von ihnen. Meine Aufgabe als Lehrer (nicht als Trainer) besteht darin, genau diese Altersgruppe im Training darauf vorzubereiten und ihnen ein gutes Fundament an technischem Können und Körpergefühl mit auf den Weg zu geben. Das Wichtigste dabei ist, sie immer daran zu erinnern, dass sie eine Kunst betreiben und dass diese eine Art Lebensphilosophie werden kann. Das Karate nicht nur im Dojo betrieben wird, und bei richtigem Verständnis jedem einzelnen auch im wahren Leben eine große Hilfe ist. Diese Brücke zu bauen erscheint mir sehr wichtig. Bevor die jüngeren Schüler verstehen was der Begriff Tradition in seiner ganzen Tiefe bedeutet, geht es um das Erlernen fester Normen und Verhaltensweisen. Ich denke dabei z.B. an Ehrlichkeit, Respekt, Achtung, Ruhe und Durchhaltevermögen - Eigenschaften, die zu vermitteln und den Schülern an Hand von Beispielen zu verdeutlichen, ich als eine wichtige Aufgabe des traditionellen Karateunterrichts betrachte. Ich gebe zu, dass es mitunter nicht einfach ist, diesen Spagat täglich weiterzugeben; den Schülern z.B. zu erklären, dass es nicht wichtig ist, was sie für eine Gürtelfarbe tragen sondern es nur darauf ankommt, was sie wirklich können. Oder ihnen beizubringen, dass der Sieg in einem Wettkampf nicht das Wichtigste ist, dass das Training an sich selbst und mit den Kameraden den eigentlichen Sinn ausmacht. Sie immer wieder zu ermutigen, die "langweiligen" Traditionen nicht zu vernachlässigen, denn Karate ist nicht nur Technik, sondern auch immer innere Haltung, die sich im Verhalten widerspiegelt. Dies beginnt mit einem freundlichen "Guten Tag" beim betreten des Dojo und setzt sich fort, mit dem respektvollen verbeugen, am Beginn und Ende einer jeden Unterrichtsstunde, sich ernsthaft zu besinnen, also auch diese und andere Rituale bewusst auszuführen. Die Schwierigkeit darin besteht, dies so zu tun, dass niemand von ihnen die Lust am Karate verliert. Bei Kindern und Jugendlichen ist es oft das Üben immer gleicher Bewegungsmuster, das Langeweile hervorruft, bei den Älteren das vielleicht zu harte und anstrengende Training und die Konfrontation mit den eigenen Schwächen. Und genau das ist jeden Tag eine Herausforderung für mich. Wege zu finden, den Unterricht immer wieder auf eine andere Art und Weise interessant zu gestalten und dabei die Tradition nicht zu verlieren. Den Schülern täglich Vorbild zu sein und es zu verstehen, sie immer wieder neu zu motivieren - entscheidend ist nicht immer was du sagst, sondern das was du tust. Da zu sein, wenn sie einen Rat brauchen, aber auch Kritik zu Üben, wenn es nötig ist. Ein Umfeld zu schaffen in dem sich jeder einzelne, ob Schüler, Eltern oder Gast wohl fühlt. Viele meiner Eltern schätzen es sehr, wenn ihre Sprösslinge darauf hingewiesen werden, beim Betreten der Räumlichkeiten die Füße abzutreten und die Schuhe ausziehen, nach dem Unterricht traditionell ihren Karategi zusammenzulegen, Ordnung und Sauberkeit zu wahren oder aber auch nur mit sauberen Händen und Füßen das Dojo zu betreten.
Um den Schülern in Ihrer Reifezeit traditionelles Karate zu vermitteln, ist es von Nöten, dies nicht nur mit Strenge zu tun. Persönliches Lob und Wertschätzung sind ebenso wichtig und können manchmal Wunder bewirken. Oft ist es entscheidend, dass sich der Schüler einfach nur verstanden und gut behütet fühlt. Jedem Einzelnen ein Gefühl des Vertrauens zu geben und damit die Gewissheit, an etwas ganz Besonderem teilzuhaben, erachte ich für sehr wertvoll.
Ein besseres Verständnis zur Tradition kann man z.B. mit lockeren Gesprächen erreichen. Oft fehlt es bloß an einer spannenden Aufklärung im gemütlichen Kreis. Früher trafen sich dazu Lehrer und Schüler im Dojo (Mondo). In der heutigen moderneren Zeit versuche ich, diese Gespräche bei Abenteuer- und Trainingswochenenden in der Natur zu führen. Sich hinzusetzen und den Problemen der Schüler zu lauschen, ist an solchen Wochenenden genauso wichtig wie Fragen zu beantworten und von Tradition und alten Zeiten zu erzählen. Neben dem täglichen Training im Dojo versuche ich, Events zu organisieren, die den Umgang mit anderen Menschen fördern und den Zusammenhalt untereinander stärken. So hat unsere Schule z.B. an einem Musical mit dem Thema "Jugend und Gewalt" teilgenommen. Des Weiteren betreuen wir jedes Jahr einen mittelalterlichen Verkaufsstand während unseres Heimatstadtfestes, wobei alle Erlöse einem kranken Kind zu Gute kommen. Auch die kürzlich von uns durchgeführte 1. Wittenberger Kampfkunstgala hat dazu beigetragen, dass sich die Schüler mit der Tradition Ihres Kampfstils auseinandergesetzt haben.

Unsere Gesellschaft verändert sich rasant und alles soll immer besser, schneller, höher und fortschrittlicher werden. Das Alte scheint nichts mehr wert, Erfahrung zählt kaum noch - wo bleibt da der Mensch?
Ich habe im Laufe der letzten Jahre beobachtet, dass viele Menschen auf der Suche nach mehr Erfüllung und Tradition sind und merke, dass diese Menschen die damit verbundenen Werte brauchen. Sie wollen teilhaben an einem festen und unumstößlichen Gerüst. Wie ein junger Baum benötigen sie Halt und Schutz, um Wurzeln zu schlagen und Wachsen zu können.
Gerade deshalb sind wir als Kampfkunstlehrer in der heutigen sich immer schneller ändernden Welt gefordert, zu bewahren, aber auch neue Wege zu gehen, um die Tradition zu erhalten. Denn nichts ist beständiger als der Wandel der Zeit, woraus man aber keinesfalls eine Preisgabe der Tradition ableiten sollte.

Ganz persönlich glaube ich, dass wir all dies bewältigen können, wenn wir es aus tiefsten Herzen und mit voller Überzeugung vorleben.

Ich bin sehr glücklich und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich in meinen Lehrern Menschen gefunden habe, die genau dies tun und mir die Möglichkeit geben, Traditionelles Okinawa Goju Ryu Karatedo zu trainieren.

In Dankbarkeit
Gerd Richter




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